Aus der Energie schöpfen


Shootingstar Alma Hasun über ihren Werdegang, Wahrhaftigkeit und wo der Unterschied zwischen dem Schauspiel im Film und am Theater liegt.

Wer die „Vorstadtweiber“ liebt, dem ist die 32-jährige Schauspielerin Alma Hasun längst ein Begriff, denn dort sorgt die gebürtige Wienerin bei den Reichen und Schönen (und auch bei den anderen) als Journalistin für erfrischende Unruhe. Außerdem ist sie Ensemblemitglied im Theater in der Josefstadt, spielt auf großen und kleinen Bühnen und ist in vielen unterschiedlichen Filmproduktionen zu bewundern. Die Karriere hat Alma Hasun schon früh begonnen …

better life: Liebe Frau Hasun, Sie ­haben bereits im zarten Alter von zehn Jahren Bühnenluft geschnuppert und sind seit Kinderjahren Schau­spielerin. Wie kam’s dazu? Wie konnten Sie in so jungen Jahren dem Druck standhalten oder kann man als Kind alles „spielerischer“ sehen und ­nehmen?
Alma hasun: Ja, das stimmt, ich habe mit zehn Jahren zum ersten Mal auf einer großen Bühne gestanden und im Musical „MOZART!“ in der Regie von Harry Kupfer am Theater an der Wien den jungen Mozart gespielt bzw. sein Genie, das ihn überallhin verfolgt. Dass ich zu diesem Vorsprechen gegangen bin, war mehr ein Zufall. Es hat geklappt und ich habe mich darauf einfach eingelassen. Ich denke an diese Zeit nur positiv zurück, weil ich so glücklich war, mich in dieser Theaterluft zu bewegen; es hat sich sehr natürlich angefühlt für mich, ganz ohne Druck und ohne viel nachzudenken.

Als „alter Hase“ in dem Business – inwiefern hat sich das Schauspiel­business und auch die Rolle von Frauen­ im Schauspielbusiness im Laufe­ Ihrer Karriere verändert?
So ein alter Hase bin ich auch wieder nicht (lacht). In den letzten Jahren hat sich diesbezüglich schon viel getan; man ist sensibler geworden für gewisse Themen und Problematiken. Wir sprechen über „Me too“, über Frauen­quoten, über Diversität in Stoffen und Darstellung und über das Aufbrechen gewisser hierarchischer Strukturen. Diese Stimmen werden immer lauter und die Theater- bzw. Filmwelt muss sich dazu verhalten.

Sie spielen Theater und drehen für Film und Fernsehen. Gibt es einen ­Bereich, den Sie bevorzugen bzw. was ist die größere Herausforderung für Sie?
Ich liebe beides und möchte keines missen. Es sind für mich zwei unterschiedliche Felder. Ich schöpfe zwar natürlich immer aus mir, aus meiner spielerischen Energie, aber handwerklich muss ich beim Film ganz anders arbeiten als auf der Bühne. Ich mag die Zentriertheit, die Purheit, die der Film verlangt und gleichermaßen liebe ich das ­Körperliche, das große Raum-Nehmen am Theater.

Eine Schauspielerin lebt ja auch vom Feedback und dem Applaus der Zuseher. Wie wichtig ist Ihnen Kritik?
Der Applaus und vor allem der Dialog mit dem Publikum ist essenziell. Eine Theatervorstellung ohne Publikum macht für mich keinen Sinn. In dieser eigenartigen Zeit gerade, wurden wir schmerzlich daran erinnert, wie sehr wir das Publikum brauchen. Kritik ist mir wichtig, wenn sie konstruktiv und respektvoll ist, denn dann ist sie eine Möglichkeit, sich weiterzuentwickeln. Kritik, die boshaft und unreflektiert ist, möchte ich am liebsten gar nicht lesen oder hören.

Authentizität ist ein großes Schlagwort beim Schauspiel, immerhin müssen Sie in jeder Rolle authentisch wirken, dürfen es aber nie sein. Wie gelingt Ihnen der Wechsel zwischen Ihren Rollen und Ihrem realen Leben?
Für mich macht dieser Wechsel einen großen Reiz an diesem Beruf aus. Meine eigene Wahrhaftigkeit zu nehmen und in eine andere Haut zu stecken, das ist sehr aufregend. Sich zwischendurch zu erden, um diese Wahrhaftigkeit zu ­nähren, ist wichtig für mich. In der ­Natur erde ich mich am schnellsten.

Wo sehen Sie sich beruflich und ­privat in zehn Jahren?
Oh, so weit habe ich noch nie gedacht. Ich würde gerne Filme drehen und ­Theater spielen und möglichst viele spannende Figuren und ihre Geschichten­ kennenlernen. Und gerne in unterschiedlichen Städten leben und irgendwann eine eigene Familie haben.

Wo dürfen wir Sie in den kommenden­ Monaten am Bildschirm bzw. auf der Bühne bewundern?
Die fünfte Staffel der Vorstadt­weiber wurde kürzlich im ORF gezeigt, die sechste drehen wir gerade fertig. ­Außerdem darf ich demnächst in Marie Kreutzers neuem Kinofilm „Corsage“ spielen. Am Theater probe ich gerade für die Schnitzler Romanadaption „Der Weg ins Freie“. Wenn wir Glück haben und die Theater wieder aufsperren, ­haben wir Ende April/Anfang Mai im Theater in der ­Josefstadt Premiere.


In bester Gesellschaft. Otto Schenk mit Alma Hasun in „Der Kirschgarten“ im Theater in der Josefstadt.


Weiber unter sich. Alma Hasun spielt u. a. mit Nicole Beutler und Maria Köstlinger
in den aktuellen Folgen der „Vorstadtweiber“.


Interview: Alicia Weyrich
Foto: Philine Hofmann

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