Eine Portion Hoffnung, bitte!

©Miguel Bruna (Unsplash)

Gar nicht so leicht, angesichts der aktuellen Ereignisse den Optimismus zu bewahren. Mit dem Blick in die richtige Richtung gelingt das auch in stürmischen Zeiten.

Coronavirus, Klimawandel, Ukraine-Krieg – die Turbulenzen unserer Zeit sorgen für starke Gefühle und das neben der allgemeinen Alltagshektik. Die Geschehnisse beeinflussen die Gedanken und Entscheidungen, manchmal auch nur unbewusst. Ein neuer Begriff in der Psychologie sind sogenannte „Klimagefühle“ – die oft erst vage wahrgenommene Gefühlslage angesichts der Ohnmacht gegenüber klimatischer Veränderungen. Manch einer will darüber vielleicht den Kopf in den Sand stecken, dabei ist die beste Medizin gegen die Angst der eigene Tatendrang.

Wissen stiftet Hoffnung
Seit Greta Thunberg auf den freitäglichen Schulstreiks anfing, auf die Wissenschaft hinzuweisen, bekommen die berechenbaren Tatsachen hinter den globalen Veränderungen mehr und mehr Gewicht. Mit den Fakten kamen auch die Gegner und Leugner, doch das ist nur die Begleiterscheinung eines Paradigmenwechsels. Ganz im Sinne ihrer Mission veröffentlichte Greta Thunberg im Herbst dieses Jahres ein fast 500 Seiten starkes Klima-Werk, das die Fakten an den Beginn stellt. Nichts hilft besser bei der Bewältigung eines Problems, als seine fundierte Ergründung. Sie beschreibt die mehr und auch die weniger bekannten Aspekte der Klima-krise und lässt ExpertInnen zu verschiedenen Themen auf der ganzen Welt zu Wort kommen. 

Kein bisschen nachhaltig
Noch bleibt uns Zeit, die schlimmsten Folgen abzuwenden“, schreibt Thunberg. „Um dieses Problem zu lösen, müssen wir es zunächst verstehen. Die Wissenschaft ist ein Instrument und wir alle müssen lernen, es zu nutzen.“ Das wird jeden Lebensbereich betreffen. Die einen tun, was sie selbst können – reduzieren den Fleischkonsum und verzichten auf Flugreisen – die anderen warten noch auf die politischen Regulative. Diese werden kommen, allerdings erst, wenn aus der Bevölkerung dazu kein oder nur mehr wenig Gegenwind zu erwarten ist. Die große Hoffnung besteht darin, dass dieser Punkt nun erreicht ist. Langfristig gibt es in der Frage der Nachhaltigkeit kein „Halb“. Wir werden nicht „ein bisschen“ nachhaltig leben, wir werden unsere Systeme umstellen müssen.

Jeder kann etwas tun
Die Lösung des Klimaproblems liegt nicht allein bei uns Einzelpersonen. Dieses Framing wurde von den Veränderungsgegnern lange bemüht, um eine tiefgreifende Neuausrichtung unserer Systeme zu torpedieren. Teil der Lösung ist dennoch das Wissen der Vielen, die gemeinsam hinter der Umgestaltung stehen und eine Welt errichten, die auf neuen, erneuerbaren Werten basiert. „Wir werden diese Krise nur lösen können, wenn wir eine kritische Masse von Menschen zusammenbringen, die die not-wendigen Veränderungen fordern“, schreibt Thunberg dazu. Sie betrachtet in ihrem Buch die Klima-, Ökologie- und Nachhaltigkeitskrise ganzheitlich und schließt konsequent die soziale Dimension ein. Die Menschen haben die Klimakrise verursacht und wir Menschen sind es auch, die sie lösen können. Das geht aber nur gemeinsam und mit einer gemeinsamen Wissensbasis.

Die Hoffnung
Das einst Unvorstellbare kann sehr schnell zu einem selbstverständlichen – und gefühlt sogar unersetzlichen – Bestandteil unseres Alltagslebens werden. Was für die Urgroßeltern noch unvorstellbar war, ist heute nicht mehr wegzudenken: Smartphones ermöglichen ständige Verbundenheit über große Distanzen hinweg, hell erleuchtete Megacitys erhöhen das Sicherheitsgefühl, vom eigentlichen Zweck entkoppelter Konsum sorgt für eine kurze Dosis Glück. Damit entfernen wir uns von der Natur und verlieren den Bezug zu ihr, dabei sind wir ein Teil von ihr. Klima-gefühle werden zur Zeit noch gerne verdrängt. Nicht unverständlich, sind sie doch unangenehm und stellen die eigenen, gewohnten Handlungen in Frage. Sie würden dafür sorgen, dass sich das Gewohnte nicht mehr so gut anfühlt. Doch immer mehr Menschen stellen sich den Gedanken und den damit einhergehenden Gefühlen. Denn das eigene Handeln macht die reine Hoffnung immer mehr zu einer optimistischen Aussicht.

Zukunftsoptimismus
Noch nie in der Vergangenheit waren Nachhaltigkeitsthemen derart präsent und massentauglich. Radiosendungen, Fernsehberichte, Printmedien – AgrarökologInnen, WissenschaftlerInnen, StadtplanerInnen sind gefragte InterviewpartnerInnen geworden, die jährlich stattfindenden Klimakonferenzen wurden vom Randthema zu einem zentralen Teil der Berichterstattung. Wer sich im heißen Oktober über die milden Herbsttemperaturen jenseits der 15-Grad-Marke erfreute, tat dies nicht ohne den Hinweis auf die problematische Begründung des Phänomens. Diese Veränderungen zeigen, in welche Richtung unsere Reise geht: Klimawissen und klimaaktive Planungen sorgen für immer klimarelevantere Entscheidungen. Die Welt wird morgen eine andere sein.

Vier Tatsachen für ein wenig Optimismus:

1 / Technische Entwicklung: Die vergangenen Jahrzehnte brachten zahlreiche Technologien hervor, mit denen die Energiewende geschafft, Klimafolgen effektiv und lebenswert reduziert und die Klimakrise insgesamt gemeistert werden kann. 

2 / Soziale Verstärkung: Je mehr Menschen an einem Strang ziehen, umso stärker wird die Kraft der Veränderung. Sobald eine kritische Masse an Handlungs­fähigen und vor allem willigen Menschen erreicht ist, kann viel bewegt werden. 

3 / Ökologische Superkräfte: Die Natur hat unglaubliche Kräfte. Wird der Natur der nötige Raum gegeben, erholen sich Wald und Boden in teilweise rasanter Geschwindigkeit.

3 / Politische Heilungsprozesse: In Brasilien wurde Jair Bolsonaro abgewählt, unter dessen Amtszeit der Amazonas-Regenwald um ein Vielfaches schneller abgeholzt wurde als davor. Die Hoffnung besteht, dass der neue Präsident die Abholzung wieder verlangsamen kann, bevor der Kipppunkt im größten Regenwald der Welt erreicht ist.

Text: Helena Zottmann

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