MAGIC FAMILY

ERSTAUNLICHER WEG. Amélie van Tass und Thommy Ten alias „The Clairvoyants“ ­kommen aus Nieder­österreich, den Grundstein zum Welterfolg legten sie in den USA. | ©Matthias Köstler

Wie geht das bloß? Vermeintlich entlarvende Videos schaffen es auf YouTube sogar auf mehr als eine Million Klicks. Dazu zählt jenes, in dem es heißt, ich würde „mit den Schuhen mit Amélie kommunizieren“, erzählt der Magier. Ihm und seiner Partnerin liefern selbst ernannte Trick-Analysten eine willkommene Inspiration für ihre Shows. „Gerade wenn ich merke, dass im Publikum ein paar konzentriert auf meine Füße sehen, tänzle ich noch mehr herum und ziehe die Schuhe schließlich auch noch aus“, lacht er. Und klar: Die „telepathische“ Verbindung klappt auch in Socken. 

Seit gut zehn Jahren bringen Thommy Ten und Amélie van Tass Menschen rund um die Welt, darunter Prominente von Elon Musk bis Heidi Klum, zum Staunen. Verpackt in glamouröse Shows liest sie mit verbundenen Augen seine Gedanken, wenn er etwa durchs Publikum streift und sie darum bittet, das Führerschein-Ausstellungsdatum eines Gastes zu nennen. Im Rahmen einer notariell beaufsichtigten Ö3-Aktion sagten sie selbst den Ausgang der letzten Nationalratswahl voraus.

„The Clairvoyants“, also die Hellsehenden, wie sie sich auch nennen, wurden 1987 geboren, und zwar im selben Spital in St. Pölten. Fast ein Vierteljahrhundert später lernten sie einander kennen, ein Auftritt bei der ORF-Talenteshow „Die große Chance“ brachte sie zusammen. Mit dem Weltmeister-Titel in Mentalmagie 2015 ging es steil bergauf, heute pendelt das Paar zwischen seinen Wohnsitzen in Krems und Las Vegas.

Nach 150 Shows im namhaften Luxor Theater stehen sie nun in Österreich mit „Zweifach zauberhaft“ auf der Bühne – doch eigentlich sind sie zu dritt.

better life: Mr. Koni Hundini ist sozusagen euer Newcomer. War es geplant, ihn zum Showhund zu trainieren?

Thommy Ten: Nein, man weiß ja nie, wie ein Tier sich entwickelt. Aber bei Koni haben wir schnell gemerkt: Er ist ein Rampenhund (lacht).

Amélie van Tass: Als Maltipoo liebt er die kognitive Herausforderung, von neuen Tricks kann er nie genug kriegen. 

Auch ihr entwickelt euch laufend weiter, wie beschreibt ihr euer Schaffen?

Thommy: Wir kombinieren alles, was uns Spaß macht und dem Publikum gefällt. Das können Illusionen sein, wenn Dinge verschwinden und wieder auftauchen oder Mentalmagie …

Amélie: … wofür es keine Requisiten braucht, weil der Zauber in den Köpfen der Menschen passiert. 

Thommy: Manchmal inspirieren uns andere: Der große Houdini hat sich in eine Wasserzelle eingesperrt und entfesselt. Davon nahmen wir sozusagen ein Requisit, Amélie geht bei uns in den Wassertank, liest unter Wasser die Gedanken und schreibt sie von innen mit dem Lippenstift an die durchsichtige Wand. Das gab es so noch -nirgendwo.

Ihr seid verlobt, wie verknüpft ihr vollen Showalltag und Privatleben?

Amélie: Wir sind ein Familienbetrieb, so arbeiten Leute seit Jahrhunderten zusammen. Vielleicht macht es herausfordernder, dass wir viel unterwegs sind und öffentlich auftreten, wobei für uns gilt: bei jeder Show hundert Prozent. Privat wurde ich gelassener, ich halte es mit dem Trick: Wenn du dir den Partner im Streit mit Clownnase vorstellst und dich noch immer ärgerst, diskutiere es aus, wenn du lachen musst, lass es sein.

Wie erlebt ihr eure Bekanntheit?

Thommy: Wenn ich am Flughafen nach dem Impfzertifikat gefragt werde, die Beamtin das lächelnd mit den Worten „in Ihrem Beruf müssen Sie sicher geimpft sein“ kommentiert, weil sie uns erkennt, dann freut uns das. Auch, wenn wir beim Heurigen sind und man uns um ein Foto bittet. Darauf haben wir hingearbeitet und wir hoffen, dass es so weitergeht. Gerade jetzt, wo man sich auf der Welt mit so vielen negativen Gedanken auseinandersetzen muss, finden wir es schön, wenn es uns gelingt, die Menschen für einen Abend da rauszuholen, sie zu verzaubern, damit sie abschalten können und im besten Fall noch länger darüber staunen.


Text: Viktória Kery-Erdélyi

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