Gut behütet

Seit 1903 schreibt Mühlbauer in Wien Modegeschichte. ­Heute ist das Unternehmen international erfolgreich und absoluter Trendsetter in Sachen Hut.

Die Geschichte des Huts ist eine wechselvolle. Als Kopfbedeckung ein Klassiker, war es noch bis Mitte des 20. Jahrhunderts für ­Herren unerlässlich, in der Öffentlichkeit Hüte, bei Freizeitaktivitäten auch Mützen oder Kappen, zu tragen. Und für Damen war der Hut ohnehin fixer Bestandteil der Garderobe und exakt auf diese ­abgestimmt – zumindest bis in die 1960er Jahre. Danach kam der Hut schleichend aus der Mode. Durch die Hip-Hop-Kultur und ihren Fetisch für die Baseballkappe rückten Kopfbedeckungen generell wieder in den modischen Fokus und erleben seither eine langsame Renaissance.
Die Hutmanufaktur Mühlbauer, 1903 von Julianna Mühlbauer in Floridsdorf gegründet und heute in vierter Generation von Klaus Mühlbauer geleitet, hat all diese Entwicklungen er- und überlebt. Dass sie heute als internationales Aushängeschild der kreativen ­Wiener Szene gilt, hat sie vor allem den visionären Weichen­stellungen Klaus Mühlbauers zu verdanken.

DIE WELT ALS MARKT
Als ich das Unternehmen 2001 übernommen habe, wusste ich, dass wir mit einem Designerhut, der hier in Wien ­erzeugt wird und eine bestimmte Preisklasse hat, in Österreich einen zu kleinen Markt vorfinden und wenn wir mit diesem in Wien handgefertigten Hut weitermachen wollen, die ganze Welt als Markt brauchen.
Also begann Klaus Mühlbauer, ­international nach Orten Ausschau zu halten, an denen er sein Produkt bestmöglich verkaufen konnte. Er wurde in über 30 Ländern fündig – Edelkaufhäuser wie Le Bon Marché oder Isetan haben Mühlbauer im Sortiment. Mehr als 60 % aller Hüte gehen in den Export, in Wien verfügt das ­Unternehmen über zwei außergewöhnlich schöne Stores: in der ­Seilergasse sowie – seit 2015 – in der Neubaugasse. Maßgeblich für den Erfolg ist das zeitgenössische Design der ­Modelle, das aktuell von Klaus Mühlbauer und den Designerinnen­ Nora Berger & Madeleine Nostitz bestimmt wird. Unter Verwen­dung der besten Materialien setzt ein profiliertes Hut­macher- & Modist­innenteam die Entwürfe in aufwendiger Hand­arbeit um.

PROMIS MIT HUTGESICHT
Dem Geschäft nicht abträglich ist auch der Umstand, dass zahlreiche Celebritys die Hüte aus Wien mit dem charakteristischen „M“ lieben. Die Hollywood-Schauspieler Brad Pitt und George Clooney,­ Oscarpreisträgerin Meryl Streep, Pop­ikone ­Madonna, Universalkünstlerin Yoko Ono und Bundespräsident Alexander Van der Bellen tragen Mühlbauer. Sie alle haben ein Hutgesicht, das es laut Klaus Mühlbauer tatsächlich gibt. ­„Vergleichbar mit einem Model, das Idealmaße hat. Die Kopf­weite sollte maximal Durchschnittsgröße haben, das wäre bei einem Mann um die 60, bei einer Frau ungefähr 56, ideal sind große Augen, eine kleine Nase, anliegende Ohren und eine nicht zu voluminöse­ Haarpracht. Solche Menschen sind für einen Hutmacher eine große Freude, weil ­ihnen alles passt.“ Aber, alle anderen müssen ­deswegen nicht verzweifeln, denn: „Jeder Topf ­findet seinen Deckel. Für jeden Kopf gibt es also auch eine Kopfbedeckung.

WANN IST EIN HUT GUT?
Das Können eines Hutmachers zeigt sich bei der Fertigung eines Filz- oder Strohhuts. Ausgangs­material ist der sogenannte Hutstumpen, der von Hand auf eine Hutform aus Holz gezogen und darauf fixiert wird. Danach wird der solcher­art geformte, noch feuchte Hut im Ofen getrocknet und wechselt dann in die Modisterei, wo er fertig genäht und nach allen Regeln der Handwerkskunst dekoriert wird. Am wichtigsten beim Hutkauf, so Klaus Mühlbauer, sei der Wohlfühlfaktor,­ gefolgt vom optischen Gesamteindruck. Nicht zu unterschätzen ist auch die Frage der Farbe. „Damit muss man am Kopf noch sensibler umgehen als am Körper. Hutfarben können einen schnell blass aussehen lassen oder den Teint rosiger, frischer machen.“ Fazit: „Ein Hut sollte passen, die richtige Farbe ­haben, man sollte sich mit ihm wohlfühlen und schon beim Kauf den Wunsch haben, ihn öfter als ein Mal zu tragen.“ Was bei einem Hut von ­Mühlbauer wohl immer der Fall ist.

Text: Klaus Peter Vollmann
Fotos: Severin Wurnig, Mühlbauer, Hertha Hurnaus

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