Münchner Chefetage

GRAN TURISMO. Mit vier Türen und vier plus eins Sitzplätzen ist das Coupé reise- und geradezu familientauglich. | ©Moritz Friedl

BMW feiert das Thema Coupé auch auf viertürige Art. Damit steckt im 8er ein großer Touristiker, ein distinguierter und kultivierter nämlich – im Falle des M850i mit reichlich Kraftreserven.

Im Automobil-Bau gehört ein Coupé unbedingt zum höchsten der Eleganz-Gefühle. Das ist aber nur eingeschränkt praktisch, wenn man gerne nicht nur zu zweit einsteigt. Daraus hat sich eine bis vor gar nicht so langer Zeit geradezu undenkbare Lösung herauskristallisiert: eine abfallende Dachlinie mit einem zweiten Paar Türen zu kombinieren.

STIMMIGE PROPORTIONEN
Was eine Herausforderung ist, um einerseits die stimmigen Basis-Proportionen zu erhalten, andererseits den Aufbau optisch fließend schlank zu gestalten. Es erfordert eine gewisse Längen-Dimension, um Pummeligkeiten zu vermeiden.

Nach dem Auslaufen der 6er-Baureihe 2018, die als Cabriolet, Coupé und Gran Coupé realisiert war, kreierte BMW erneut eine 8er-Familie (die erste residierte von 1989 bis 1999 im Modellprogramm). Mit fünf Metern Außenlänge und einem Radstand von etwa drei Metern war ausreichend Spielraum vorhanden, um auch mit vier Portalen stimmige Ausgewogenheit zu generieren. Das Resultat ist eines in imposanter Größe, dem jedoch jegliche Massigkeit fehlt. Was sich für die Bayern vom Start weg schon mit einer Prämiierung bezahlt gemacht hat – die familienverträgliche Chefetage der Münchner wurde mit dem „Goldenen Lenkrad“ in der Kategorie „Schönstes Auto“ ausgezeichnet. Das hat auch den vielseitigen Künstler Jeff Koons inspiriert (siehe Kasten). Und es führt dazu, dass man nicht kurz tanken gehen kann.

KOMMODE VERHÄLTNISSE
Egal, ob in der Stadt oder auf dem Land, an der Kassa dauert’s immer etwas länger, weil nicht nur die Tankwarte möglichst viel, besser alles, über das Achter-Gran Coupé wissen wollen. Zum Beispiel auch, wie sichs im Fond reist, wenn man nicht gerade untergroß ist. Die Kollegen haben das ausprobiert, vier g’standene Mannsbilder sind von Wien aus über die Berge in den nahen Süden, ins Steirische gereist. Keiner klagte über Knie- oder Kopfschmerzen, keiner hatte Platzangst. Auf alle Fälle nicht geplagt hat sich der Antrieb. Die 530 PS liefert der V8 in jeder Lebenslage prompt und überaus geschmeidig ab, es ist ihm kein Unterschied anzumerken, ob rund 400 Kilo an Bord sitzen oder gerade einmal knapp mehr als fünfzig, im Solo-Betrieb. 

WOHLKLANG-KULISSE
Eines allerdings macht einem der M850er nicht leicht: Soll man dem sonoren Sound – je nach Fahrmodus hintergründig oder grummelig – des V8 lauschen oder das superbe Klangerlebnis der Bowers & Wilkins-Musikanlage genießen? Lucio Dallas „Caruso“ ist genauso tief ergreifend wie die Callas in „La Wally“.

ART CAR. Von Künstlern Veredeltes hat bei BMW Tradition. Bereits Andy Warhol dekorierte 1979 den damaligen M1 in der Gruppe 4-Rennversion. Ein Stammgast geworden ist Jeff Koons. 2010 war es ein M3 GT2, der beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans einen Gastauftritt absolvierte. Aktuelles Œuvre ist eine auf 99 Exemplare limitierte Edition des – beschriebenen – M850i xDrive Gran Coupé.


Text: Beatrix Keckeis-Hiller

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