Regionales per Mausklick

Es muss nicht immer der Supermarkt sein – Lebensmittel direkt von Bauernhöfen aus der Umgebung zu bestellen, erfreut sich wachsender Beliebtheit.

Die eigene Speisekammer rückte in den vergangenen Monaten ins Zen­trum der Aufmerksamkeit. Gut gefüllt sollte sie sein, möglichst viel Haltbares beinhalten und – das ist neu – auch möglichst regional bestückt sein. Im ersten Lockdown entstand ein starker Fokus auf die Herkunft der Lebensmittel.

Einkaufsverhalten in der Pandemie
Das Einkaufsverhalten veränderte sich durch Corona. Im April 2020 untersuchte die Agrarmarkt Austria (AMA) in einer repräsentativen Umfrage mit 500 TeilnehmerInnen, ob und wie das Verhalten durch Corona geprägt ­wurde. 58 % der Menschen gehen demnach seit Ausbruch der Pandemie seltener einkaufen, dafür kaufen sie mehr ein. Ein Viertel der Befragten legen seither mehr Wert auf Regionalität und Herkunft der Lebensmittel. Außerdem ­haben sie
begonnen, mehr auf Lieferdienste und den Einkauf bei Direktvermarktern zu setzen. Das heißt Kunden setzen mehr und mehr auf Möglichkeiten, ihre Produkte direkt beim Bauern zu kaufen, also etwa auf dem Bauernmarkt, im Hof­laden, mittels Bio-Kistl oder kontaktlos im Online-Shop.

Der Bauernmarkt im Internet
Junge Unternehmen holen den Bauern­markt ins Internet. Wenn Handgemachtes, Regionales und Hochwertiges sonst nur an physischen Standln und an einzelnen Wochentagen verkauft wird, kann sich der Konsument im 21. Jahrhundert auch online auf dem Bauernmarkt herumtreiben. Eine, die diese Online-Verbindung schaffen will, ist Theresa Imre mit ihrem Start-up markta. Sie stellt mit der Plattform den Link zwischen Bauernhof und Kunden in der Stadt dar. Das junge ­Unternehmen nahm im März 2018 seinen Betrieb auf und konnte sich bis zum Ausbruch der Corona-Krise soweit vorbereiten, dass sie die stark gestiegene Nachfrage ab März 2020 gut hand­haben konnten. Auf markta.at erhält der Kunde alles, was das Frische-Herz begehrt: von Obst und Gemüse über Brot und Gebäck bis zu gekühlten Fleisch- und Milchprodukten, außerdem eine große Auswahl an veganen Alternativen und Eingemachtem. Der digitale Bauernmarkt: markta.at

Eine halbe Sau bestellen
Eine besondere Nische füllt das Unter­nehmen Nahgenuss. Hier können Kunden Bio-Fleisch bestellen und zwar auf eine Weise, die den Kunden näher an das Schlachtgeschehen bringt: Vom Tier werden erst sämtliche Teile verkauft, bevor es geschlachtet wird. So sind da die Gustostückerl genauso ­dabei wie Kutteln und Knochen für die Suppe. Nach der Schlachtung werden die Fleischteile in küchenfertige ­Teile vakuumiert und gekühlt bis vor die Haustür geliefert. Zur Auswahl steht Schweinefleisch, Rind- und Lammfleisch. So kann der Bauer gut kalkulieren und vom Tier muss nichts weggeworfen werden. So geht ganzheitlich einkaufen. Fleisch in größeren Mengen für die Tiefkühltruhe: nahgenuss.at

Etablierter Player: Biokistln
In ihren Biokistln bieten die LandwirtInnen ein großes, meist ausschließlich biologisches Sortiment. Die Zustellung erfolgt in regelmäßigen Abständen und kontaktlos, indem die Pfandkiste einfach vor der Tür abgestellt wird. Einer, der das bereits seit 20 Jahren erfolgreich macht, ist der Bio-Hof Adamah im Marchfeld. Zusätzlich zum selbst angebauten Bio-Gemüse vom Feld gibt es im Sortiment eine Reihe anderer ­frischer Produkte von anderen Bauern in der Umgebung. Neben Adamah, der im Raum Wien und Niederösterreich zustellt, gibt es in ganz Österreich eine Vielzahl weiterer Anbieter. Einfach nach „Biokistl“ und der entsprechenden Region im Internet suchen. Der Platzhirsch unter den Biokistln: adamah.at

Neue Strukturen im Aufbau
In Österreich bestimmen die drei Handels­ketten Spar, Rewe und Hofer ganze 86 % des Lebensmittelmarkts. Die übrigen 14 % teilen sich andere Anbieter im Lebensmitteleinzelhandel und Direktvermarkter. Auf diesen dichten Markt drängen nun immer mehr Online-Anbieter, die Lebensmittel aus der Landwirtschaft möglichst direkt vom Hof auf den Teller bringen wollten. Die meist jungen Unternehmen und Start-ups wollen der Vorherrschaft der Supermarktkonzerne die Stirn bieten und setzen auf Transparenz, ­bessere Margen für Produzenten und ein saisonal-regionales, meist auch biologisches Angebot. In der Corona-Krise und insbesondere im ersten Lockdown suchten viele Menschen nach Alternativen zum Supermarkteinkauf und wurden dabei auch bei kleinen Betrieben und Start-ups fündig. Ausgangs­beschränkungen und Homeoffice sind verlockende ­Anreize, sich den Einkauf zur Abwechslung mal nach Hause ­liefern zu lassen.

Text: Helena Zottmann

Neueste Artikel

Unsere Erscheinungstermine 2021:

26. März
25. Juni
17. September
3. Dezember

Erhältlich bei Ihrem Zeitschriftenhändler.