Stress, lass nach!

©Engin Akyurt, Unsplash

Wir sehnen uns alle nach Ruhe, Auszeit und Entschleunigung. Doch unser Alltag wird vom Gegenteil bestimmt. Zu viel Stress belastet oder macht uns krank. Einige Ideen, um seinen Geist wieder zu beruhigen. 

Nichts gegen Stress. Ohne ihn wären wir womöglich verloren. Der Säbelzahntiger hätte uns schon längst gefressen und unsere Arbeit wäre wohl niemals erledigt. Kurzfristig können wir mit gesundem Stress gut umgehen, brauchen ihn sogar, diese kurze Phase mit hohem Adrenalinausstoß, die
uns manchmal sogar zu Meisterleistungen anspornt. Doch der Grat ist schmal. Wer im Dauerloop unter Stress steht und gar keine Regenerationsphasen mehr einplant, läuft Gefahr, krank zu werden. Dann sprechen wir von ungesundem chronischem Stress, der uns psychisch oder körperlich krank macht. Depression, Burn-out, Entzündungen, Verdauungsprobleme, Hautkrankheiten, Gastritis, Schlafstörungen, Überreizung sind nur einige von vielen typischen Stresssymptomen, die uns über die Zeit kaputt machen. Bei jedem zeigt sich Dauerstress anders. Wer die Symptome wahrnimmt und beachtet, kann da auch wieder raus …

Burn-out
Chronischer Stress, der im totalen Ausgebranntsein mündet, wird oft als Burn-out bezeichnet. In diesem extremen Erschöpfungszustand geht oft gar nichts mehr, kein Anruf, kein E-Mail. Die Ursachen dafür liegen weniger in den hohen täglichen Anforderungen, zum Beispiel am Arbeitsplatz, sondern mehr in der Unfähigkeit, diese Anforderungen an seine eigenen Bedürfnisse anzupassen. Nicht zu viel Arbeit oder zu viel Stress verursachen Burn-out, sondern falsche Arbeit, Kontaktverlust mit sich selbst oder Missachtung der inneren Stimme. In dem Buch „Burnout-Generation“ von Dantse Dantse heißt es, man brenne aus, wenn man den Kontakt zu sich selbst verliere, wenn man keine Einheit finde zwischen seinem Verstand, seinem Gefühl und der realen Welt. So spüre man nicht mehr, wann etwas zu viel sei, wann man nicht mehr könne, wann man sich zurückziehen solle oder wann man ein Leben lebe, das nicht mehr der eigenen Welt entspreche.

6 TIPPS ZUM STRESSABBAU

Sport. Körperliche Betätigung hilft, um den Geist zu beruhigen. Um langsam abzuschalten, statt sich wieder voll auszupowern, sind Ausdauersportarten wie Wandern und Biken ideal. 
Meditieren. Sich Zeit nehmen, hinsetzen und in sich hineinspüren. Hört sich leichter an, als es ist. Meditations-Podcasts können auch dabei helfen.
Yoga. Die Konzentration auf die Asanas und eine spezielle Atemtechnik (Pranayama) lassen uns sofort in die Stille kommen.
Singen. Studien haben be­wiesen, dass Singen Menschen froh macht. Also einfach den Stress rausträllern! Verstärkt wird das ­Ganze noch in der Gemeinschaft.
Kreativ sein. Egal ob Töpfern, Malen, Backen, Fotografieren – jeder hat seine eigene kreative Ader, die hilft, Stress langsam ­abfließen zu lassen. 
Digital Detox. Raus in die Natur und einfach mal nur in die Wolken schauen statt aufs Handy. 

Wege in die Ruhe 
Manche bauen Stress auf sehr ungesunde Art ab. Extremsport, Rauchen, Alkohol, Drogen oder die Flucht ins Partyleben sind typische Methoden, die schnell funktionieren, doch nicht nachhaltig wirken und uns genauso ausbrennen wie die Arbeit. Um auf gesundem Weg wieder seinen Rhythmus zu finden, gibt es viele Möglichkeiten. Die Basics sind Entspannung, ausreichend Schlaf und Bewegung, gutes Zeitmanagement, ausgewogene Ernährung und ein gesundes Konfliktmanagement. Aber auch Achtsamkeitsübungen wie Bodyscan oder Atemtechniken sind sehr effizient. Für Ayurveda-Doc Dr. med. univ. Susheel Saini ist die Meditation ein schönes Mittel: „Stress ist unser ewiger Begleiter. Leider hinterlässt er Spuren an Körper und Geist, die sogar lebensbedrohlich werden können.“ Wir lernen im Leben, wie wir mit vielen -Situationen umgehen oder Dinge erlernen können. Aber wie wir mit Stress umgehen, wird uns leider nicht beigebracht. Meditation und Entspannungsübungen jedoch werden häufig belächelt oder in die Esoterik-Ecke geschoben. Obwohl es mittler-weile viele Studien gibt, die zeigen, dass Meditation ein sehr gutes Mittel zur Bewältigung mentaler Beschwerden ist. 

Mindfulness
MBSR ist derzeit in aller Munde. Doch was steckt dahinter? Die Abkürzung steht für „Mindfulness-Based Stress Reduction“, zu Deutsch „Stressbewältigung durch Achtsamkeit“. Die Methode wurde Ende der 1970er Jahre von Jon Kabat-Zinn und Kollegen in den USA im klinischen Kontext zur Schmerztherapie entwickelt und auf seine Wirksamkeit erforscht. MBSR gilt als „Klassiker“ und ist Grundlage vieler weiterer Achtsamkeitsprogramme. Es handelt sich dabei um ein weltanschauliches, nicht religiöses Format zur Schulung von Achtsamkeit und zielt darauf ab, Stress in all seinen Formen konstruktiv zu begegnen. Dieses Training wird mit großem Erfolg im Gesundheitsbereich, in Unternehmen, öffentlichen Institutionen und natürlich auch Privat eingesetzt. MBSR unterstützt die Entwicklung von sozialer Kompetenz, Kommunikationsfähigkeit und einen konstruktiven Umgang mit Emotionen und Konflikten. Die Methodik bedient sich folgender Tools: achtsame Körperwahrnehmung im Liegen (Bodyscan), sanfte, achtsame und leichte Körperübungen (Yoga im Stehen und Liegen, Üben des „Sitzens in Stille“/Sitz-Meditation, langsames, achtsames Gehen/Geh-Meditation), achtsames Kommunizieren und Achtsamkeitsübungen für den Alltag – die sogenannten „informellen Achtsamkeitsübungen“. 

Achtsam sein
Mag. Birgit Ruby ist MBSR-Trainerin in Ausbildung und Achtsamkeits-lehrerin: „Es gibt viele verschiedene Arten, wie man jemanden begrüßt. Achtsames Begrüßen ist, wenn ich in dem Moment ganz bei mir bin und gleichzeitig dem Gegenüber meine volle Aufmerksamkeit schenke.

Das Training der Achtsamkeit erfolgt in drei Schritten:
1.) Vorurteilsfrei wahrnehmen: ‚Aha, das fühle, spüre, denke ich gerade.‘
2.) Liebevoll annehmen: ‚Okay, so ist es grade und es darf so sein.‘ Dann hinatmen.
3.) Bewusst weiter-ziehen lassen: ‚Alles zieht durch, kommt und geht, entsteht und vergeht wie die Wolken am Himmel.‘ Gelebte Achtsamkeit ist aber immer auch Selbstmitgefühl und Selbstfürsorge.

Also, sei lieb zu dir!“ 

MINDFULNESS RETREAT

Sonne, Meer & Selfcare
Wann? 22.–29. 10. 2022
Was? Meditieren wie die Götter & Göttinnen – Selfcare pur
Wer? Achtsamkeitslehrerin & MBSR-Lehrerin (i. A.) Birgit Ruby zeigt in 7 Tagen Schritt für Schritt, wie man mit Achtsamkeit kraftvolle Oasen speziell für ­herausfordernde Zeiten schafft. 
Wo? Kiveri Beach, Peloponnes in Griechenland
Anmeldung unter: komm-auf-augenhoehe.at/retreat

Die Achtsamkeitstrainerin im Talk

Birgit Ruby

Birgit Ruby hilft Menschen, wieder ihre Ruhe zu finden. 

Man darf nicht dem Irrglauben ­erliegen: Ich meditiere, damit ich nichts mehr denke. Es ist eine Illusion, zu glauben, man könne das Gedankenkarussell stoppen. Das geht nicht, wir sind ­denkende Menschen. Wichtig ist, sich beim Denken zu „ertappen“: Ah, ich denke schon wieder. Und dann ­versuchen, über den Atem wieder zurück­zukommen. Der Atem ist ein starkes Tool, um sich ­wieder ins Jetzt zu holen. 

Was ist beim Meditieren das Schwierigste?

Minutenlang ruhig ­dasitzen und auszuhalten, was da hochkommt, das ist eine Herausforderung. Wenn man mal ganz ruhig ist, merkt man, wie laut die eigenen Gedanken sein können.

Was hat sich bei Ihnen verändert, seitdem Sie achtsamer durchs Leben gehen?

Ich mach vieles nicht mehr, was früher selbstverständlich war. Ich reduziere auf das Wesentliche. Das fängt beim Konsum an und hört bei Terminen auf. 

Ich frage mich immer: Was ist jetzt ­wichtig? Und wenn es wichtig ist, wird es wieder ins Leben kommen. Ich ­nehme die Dinge anders wahr, bewusster, dankbarer, demütiger, und bin liebe­voller zu mir selbst. Ich spüre jetzt, wenn ich im gestressten „Tempo“ unterwegs bin, und kenne meine Grenzen. Ich ­nehme ­genauer wahr, wie ich mit mir umgehe und ob ich mich selbst verurteile. 

Wie meditieren Sie?

Ich bin ein Fan von kurzen, aber regelmäßigen Einheiten. Jeder Tag beginnt bei mir mit einem Ritual der Achtsamkeit, sei es eine Meditation im Sitzen oder Gehen oder ein kurzer Bodyscan. 


Text: Heidrun Henke

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