„Was mein Leben besser macht“

In seiner Krimi-Reihe „Der Metzger“ geht der Pro­tagonist auf Ent­deckungsreise und taucht dabei in die Welt der ­Verbrecher ein. Der Schriftsteller ­Thomas Raab kommt für better life seinen eigenen Gefühlen auf die Spur.

Leider, leider. Die Situation ist, wie sie ist: ein bisserl wie ein 1 ½-facher Salto in den Neusiedler See. Unklug also. Saublöd eigentlich. Aber selbst schuld. Ich hätte es eben besser wissen müssen, den Lockruf missachten, der Versuchung widerstehen. Elende Schwäche. Und jetzt haben wir das Malheur. Denn so gut gemeint, wohlklingend die Aufgabenstellung dieser Kolumne auch sein mag (sogar der Titel des Magazins better life strotzt nur so voll Optimismus), schwingt mir aus dem Hintergrund trotzdem ein völlig anderes Gedudel dazu ins Ohrwaschl, eine düstere Melodie der Tonart: Wenn etwas besser werden soll, was läuft dann eigentlich nicht gut, möglicherweise sogar hundsmiserabel? Wo spießt es sich, möglicherweise sogar auf? Welche G’schichten nerven, mög­licherweise sogar gewaltig? Und genau damit beginnt nun mein Problem, denn ich kann nicht anders, oder um musikalisch zu bleiben: „Ich trag’ im Herzen drin ein Stückerl altes Wien, und bleib’ auf jeden Fall so, wie i bin!“ Ein Wiener eben. Durch und durch. Ergo ein Raunzer. Wie bitte soll ich Ihnen da Ratschläge à la „Was mein Leben besser macht!“ erteilen? Jetzt mag die oder der eine behaupten, der raunzende Wiener wäre ein Klischee, und selbstverständlich gebe ich Ihnen vollkommen recht. Sogar mir als Wiener kommt in Gegenwart eines Wieners nicht selten der Gedanke: Eh kloar, klassisch: a Raunzer! Absurd, oder? Wie ein Betrüger, der seinen Clubkollegen als Betrüger bezeichnet, oder ein Säufer, der einen anderen schwankenden Säufer lallend als Säufer beschimpft – und ganz ehrlich, so wahrhaftig ist das, wenn ich Raunzer meinesgleichen Raunzer nenne, so von Grund auf einfühlsam, man könnt’ fast meinen, Klischees wären nichts anderes als die brutale Verdichtung der Wirklichkeit, der endgültige Beweis für das Unver­mögen, vorurteilsfrei zu denken. Ja, Unvermögen. Wie soll das auch gehen? Kein geistig zurechnungsfähiger Mensch bringt so etwas zustande: vorurteilsfrei denken. Denjenigen will ich sehen, der nach einem Sushi to go so richtig ins Laufen kommt, die Nacht auf dem stillen Örtchen verbringt und von diesem Moment an jedes Sushi to go nicht mit anderen Augen betrachtet, oder bei Running Sushi nur ans Essen denkt. Unmöglich. Gut, Menschen mit Saumagen und einer ähn­lichen Lern­fähigkeit wie das Tote Gebirge soll es schon geben, sogenannte mündige Leut’, die beispielsweise abermals den H. C. Strache wählen, nur wie gesagt: Hier ist ja von geistig zurechnungs­fähigen Menschen die Rede. Von Ihnen also. Ha! Da fällt mir grad ein: Sie sind ja Hiesige! WienerInnen. RaunzerInnen. Mit einem Heftl namens better life in Händen, inmitten einer Kolumne, betitelt mit „Was mein Leben besser macht“! Ui, ui, ui. Das löst Sorge in mir aus. Geht es Ihnen gut? Alles in Ordnung? Sind Sie krank? Was bitte wollen Sie mit einem better life? So viel besser kann das doch gar nicht sein, als dass wir schon allein deshalb was zum Keppeln fänden, weil eben durch das Raunzen selbst dieses Leben für uns WienerInnen einen Quantensprung in Richtung Herrlichkeit erlebt, deutlich wunderbarer wird, erträglicher. Warum auch sonst, wenn nicht um der Schönheit willen, sollten wir sonst raunzen? Ergo nun mein erster Tipp: Was mein Wiener-Leben beispielsweise definitiv besser macht, ist das Liedchen „Jede Zelle meines Körpers ist glücklich …“, endlich von den Gebrüdern Moped (hören Sie sich das unbedingt an: gebruedermoped.com) neu mit Sinn gefüllt und so warmherzig umgetextet in: „Jede Zelle meines Körpers ist zwider, …“. Treffender kann sich ein Wiener gar nicht selbst bejahen. Direkt eine Liebeserklärung ist das. Ach ja, so schön kann es eben sein, das Leben, so schön …

Foto: Rene Wallentin

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