Whiskey privat

Whiskey ist ein reines Naturprodukt, das unverfälscht ins Glas kommt, wenn auch nicht immer so direkt.

Irland ist die Wiege des Whiskeys. Umso erstaunlicher ist die Tatsache, dass gerade in der Whiskeyhauptstadt Dublin fast 40 Jahre lang kein Tropfen destilliert wurde. Bis 2015: Vorhang auf für die Familie Teeling.

Ja aber Moment mal, sagt der Irland-erfahrene Reisende, was ist denn mit Jameson? Nun, die bekannteste und mit Abstand größte Whiskey-Marke Irlands wird seit Mitte der 70er Jahre nicht mehr in Dublin, sondern im Süden Irlands, in Midleton, hergestellt. Die große und durchaus beeindruckende Jameson Experience in Dublin ist zwar noch originales Gemäuer, aber eben keine „operating distillery“ mehr. Was jedoch im historischen Kontext betrachtet keineswegs ungewöhnlich ist. Noch im 19. Jahrhundert gab es unzählige Brennereien in Irland, allein in Dublin füllten am Höhepunkt der Industrie 37 unterschiedliche Destillerien mehr als 20 Millionen Liter pro Jahr vom Exportartikel Nummer eins ab. Somit war nicht nur immer reichlich guter Tropfen vorhanden, sondern auch Arbeit und Wohlstand für ein paar Generationen.

Alles hat ein Ende
Doch das irische Glück war nicht von langer Dauer. Zahlreiche Faktoren, wie der Exporteinbruch durch die Prohibition in den USA, Kriege und Wirtschaftsflauten, ließen den Markt massiv einbrechen. Fast alle irischen Brennereien mussten schließen, und die einst unbedeutenden Schotten übernahmen die Weltmarktführung. Trauriger Höhepunkt: Von der einstmals stolzen irischen Whiskey-Industrie war in den 1980er Jahren nur noch das Konglomerat Irish Distillers, bestehend aus gerade mal drei Brennereien, übriggeblieben. Nicht nur, dass irischer Whiskey global kaum noch eine Rolle spielte, wurde der kleine Markt auch noch von einem Monopol beherrscht. Das Mutterland des goldenen „uisce beatha“, gälisch für „Wasser des Lebens“, war wirtschaftlich und großteils qualitativ in der Bedeutungslosigkeit verschwunden.

Einer gegen das System
Das gefiel dem umtriebigen Dubliner Geschäftsmann und Universitätsprofessor John Teeling gar nicht. Er hatte einige Erfahrung im Sanieren und gewinnbringenden Verkaufen, aber auch Management von Industriebetrieben. Während seines Doktoratsstudiums in Harvard prüfte er eingehend die potenziell lukrativen Möglichkeiten des Whiskey-Business, um schließlich 1987 eine ehemals staatliche Industrie-Brennerei auf der Halbinsel Cooley zu übernehmen. Die Cooley Distillery durchbrach damit das lahme Monopol auf der grünen Insel und lieferte als privat geführter Betrieb wertvolle Impulse, um die Industrie wieder anzukurbeln. Der Rest ist, wie man sagt, Geschichte – auch wenn es eines langen Atems von mehr als zehn Jahren bedurfte, um Profit abzuwerfen. Heute gibt es wieder 32 operative und über ein Dutzend in Planung und Bau befindliche Whiskeybrennereien über ganz Irland verteilt. 

Family Business
Nachdem John Teeling die Cooley Distillery 2012 verkauft hatte, widmete er sich einem neuen Projekt namens Great Northern Distillery, seine Söhne Jack und Stephen aber zog es zurück nach Dublin. Sie hatten an der Seite des -Vaters das Whiskeygeschäft von der -Pieke auf gelernt und somit genug Rüstzeug, um 2015 unter dem Familiennamen die erste operative Brennerei in Dublin seit fast vier Dekaden zu eröffnen. Mit einem wunderbaren Besucherzentrum, dem gemütlichen Phoenix Café und vor allem einer hochqualitativen Auswahl an exzellenten Whiskeys ermutigte die Familie Teeling so drei weitere Unternehmen, eine Brennerei in Dublin in Betrieb zu nehmen. 

Im Besucherzentrum sind neben aktuellen Abfüllungen auch über 30 Jahre alte Teelings erhältlich, was viele Besucher wundert. Der kann doch unmöglich aus den drei kupfernen Brennblasen Alison, Natalie und Rebecca stammen? Korrekt. John Teeling und seine Söhne haben sich nämlich schon zu Zeiten von Cooley immer wieder besonders feine Fässer zur Seite gelegt und diese schon vor Gründung der neuen Brennerei unter dem Markennamen höchst erfolgreich vermarktet. Nun aber wird ausschließlich im Stadtteil Liberties, unweit der mächtigen St. Patrick’s -Cathedral, unter der strengen Aufsicht von Master Distiller Alex Chasko gebrannt und höchst kreativ experimentiert. Unbedingt einen Besuch wert, wenn man in Dublin ist; die Tour gibt einen sehr guten Einblick in die Feinheiten der Whiskey-Herstellung, darüber hinaus kann man viele spezielle Tropfen nur hier verkosten. Slàinte!


Text: Markus Höller
Fotos: Tourism Board, Teeling Distillery

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